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Geschichte

Der Anfang des Vereins und des Schwartenberglaufes

Am 17. Oktober 1922 gründeten einige Turner die Wintersportabteilung im Turnverein Neuhausen, das war die Geburtsstunde des nordischen Skisports in Neuhausen!

Im darauf folgenden Winter wurden dann die ersten Wettkämpfe am Schwartenberg ausgetragen, die bis 1923/24 örtlichen Charakter hatten. 1925 erging dann erstmalig Einladung zu einem Wettlauf „Rund um den Schwartenberg“, der zusammen mit dem Wintersportverein Olbernhau organisiert wurde. Es nahmen 52 Läufer teil, die aus allen Gegenden Sachsens kamen. Unter den Neuhausener Wettkämpfern finden sich die Namen: Fritz Helbig, Max Vörtler, Reinwald Helbig, Emil Schmieder, Helmut Zimmermann, Hans Hüttel, Herbert Heym, Kurt Mende, Heinz Lorenz. Es war ein Langlauf über 18 Kilometer.

 1928 versuchten sich dann unsere Skiläufer zum ersten Mal auf einem provisorischen Hügel im Springen, also musste eine Schanze gebaut werden. Mit Fleiß und Ausdauer entstand am Fuße des Schwartenberges, man kann sagen in Ortsmitte, die Schwartenbergschanze. Den Weihesprung machte im Winter 1929/30 Helmut Scheinpflug aus Neuhausen. Der zur gleichen Zeit stattfindende Lauf hatte inzwischen schon 140 Teilnehmer. Heinz Lorenz aus Neuhausen wurde mit 4 Sekunden Abstand Zweiter.

 Die Geschicke des Vereins lenkte damals Erich Matthes, dem ganz besonders das Aufblühen des Wintersportes in Neuhausen zu verdanken ist. Jahr für Jahr wurden dann der Schwartenberglauf und auch noch andere Veranstaltungen ausgetragen. Bedauerlicherweise liegt uns heute eine Liste der Sieger des Schwartenberglaufes aus den Vorkriegsjahren nicht mehr vor. Den sicheren Nachweis für einen der ehemaligen Sieger haben wir von Hans Beer, wegen seines Körperwuchses auch „Minus“ genannt, der 1933 den Lauf gewann. Seine Erinnerungen bringt er 1993 im folgenden Artikel zum Ausdruck:

 „In der 2. Februarwoche 1933 war der bekannte und beliebte Schwartenberglauf über 18 Kilometer ausgeschrieben (Start: 10.00 Uhr auf dem Schwartenberg, 789 Meter Höhe). Es waren 95 Läufer am Start. Der Lauf führte vom Schwartenberghaus über die Kammbaude nach Bad-Einsiedel (Kurhaus) und weiter durch das Tiefe Tal, weiter bergauf zur ehemals Langerschen Wirtschaft bis zur Buschecke. Die letzten 1000 Meter bergab bis zum Ziel über die Hähnel-Delle zur Post. Am Tag des Laufes schneite es früh und auf dem Wege zur Schwartenbergbaude sagte mein 1. Laufwart Heym: „Hans, wir müssen umwachsen.“. Auf dem Gipfel angelangt, wurde das norwegische Wachs „Bratly nysni (Neuschnee)“ ausprobiert und siehe da, dieses Wachs war das richtige. Es lief und stieg, und somit war der 1. Schlag schon gelungen. Zur Schilderung des Laufes ist mir noch folgendes in Erinnerung. So als 70. war ich gestartet, und es lief recht gut ab Schwartenbergbaude ins Bad durch das herrliche Tiefe Tal. Unterhalb der Wirtschaft Langer ging es ziemlich steil bergauf bis zur „Buschecke“, und da wurde der Lauf entschieden. Fast zwei Drittel der Läufer hatten „Ballen“ am Ski und schindeten sich den steilen Berg hinauf. Ganz anders bei mir. Der Neuschnee blieb leicht auf meiner Skisohle, und ich konnte an diesem Anstieg die meisten Läufer überholen und hatte bis zur Buschecke etwa 30 bis 35 Läufer überholt. Ab „Buschecke“ ging´s dann bergab bis zum Ziel und mein erster großer Sieg wurde im inzwischen abgebrannten „Erbgericht“ natürlich gefeiert. Das war vor 60 Jahren. Eine recht schöne sportliche Jugend konnten wir genießen.“

Die weitere Entwicklung des Wintersports in Neuhausen wurde wie anderswo durch den zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Nur ein kleiner Teil der ehemals Aktiven kehrte heim.

Die Nachkriegszeit

Wie überall in Europa begann sich nach dem Krieg 1945 das Leben aus dem „Nichts“ nur langsam zu normalisieren. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, unter welch beschwerlichen Bedingungen nach dem Krieg Sportler wie: Erich Herklotz, Alfred Hengst, Horst Kempe, Walter Feldmann, Herbert Hegewald, Kurt Fritzsche oder Gottfried Müller wieder Mut fassten und erneut eine Gemeinschaft von Skisportlern zusammenschmiedeten.

 Der Schwartenberglauf kam 1951 wieder offiziell zur Durchführung, und Johannes Braun aus Neuhausen wurde Sieger. Dieser Wettkampf nahm schnell an Bedeutung zu. Neuhausen und der Schwartenberglauf wurden durch hervorragende Wettkampfbedingungen zu einem Begriff und entsprechend diesem Niveau sind auch andere Wettkämpfe durchgeführt worden, was sich auf das Image Neuhausens positiv auswirkte.

Der Skisport in der DDR

Die Begeisterung der Sportler und Bürger von Neuhausen ermöglichte 1952/53 den Bau der „Schanze der Einheit“, wo 20.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet wurden und eine Kosteneinsparung von 80.000 Mark der damaligen Währung zu verzeichnen war.

Im Zusammenhang mit dem Schwartenberglauf, der noch unmittelbar am und um den Schwartenberg herum führte, erlebte Neuhausen in den 50er und 60er Jahren herrliche nationale und internationale Skiveranstaltungen. Kein geringerer als Helmut Recknagel, Olympiasieger und Weltmeister im Spezialsprunglauf, setzte bei einem Sondersprunglauf 1961 auf der „Schanze der Einheit“ den Rekord auf 62 Meter. 1970 sind die letzten Sprungläufe auf dieser Anlage möglich gewesen. 1973 erfolgte der Abriss. Seit 2011 erinnert am ehemaligen Schanzentisch eine Gedenktafel an diese Zeit und die Sportanlage.

Mit einer Neuprofilierung der kleinen Schwartenbergschanze und der Belegung mit Kunststoffmatten um 1962/63 kamen wir der zunehmenden Bedeutung der Nachwuchsentwicklung in der Nordischen Kombination entgegen. Obwohl uns die Leistungen der jungen Sportler, die ihren Weg über die Kinder- und Jugendsportschule bzw. Sportclubs zu internationalen Wettkämpfen fanden, freuten, erwies sich ein solches Leistungsstreben als nachteilig für den Breitensport.

Auch die Bedeutung des Schwartenberglaufes war diesem Wandel unterworfen. Mit großer Bereitschaft und Sorgfalt präparierten die Vereinsmitglieder alljährlich die Wettkampfstrecken. Ständig rangen wir um die Teilnahme von Club- und Nationalkadern am Schwartenberglauf.

Olympiateilnehmer Gerhard Grimmer vom ASK Oberhof erkämpfte 1970 in Neuhausen unter Beteiligung der gesamten DDR-Spitze im Skilanglauf den Landesmeistertitel auf der 50 km-Strecke in einer besonders schnellen Laufzeit, Zweiter wurde Gert-Dietmar Klause.

Die Hochzeit des Schwartenberglaufes

 1973 war es der 50. Schwartenberg-Jubiläumslauf, dem der Oberhofer Gerhard Grimmer seinen Stempel als Sieger aufdrückte. Zu diesem Wettkampf, der aus Schneemangel in das Waldgebiet des „Abladeflügels“ gelegt werden musste, nahm die gesamte DDR-Nationalmannschaft der Damen und Herren, mit dem Neuhausener Johannes Braun als Trainer, teil. Doch an der Größe der Startfelder war zu ersehen, dass der Kinderleistungssport die größeren Teilnehmerzahlen erbrachte und der Anteil Wettkämpfer bei den Damen und Herren, die man als echte Freizeitsportler bezeichnen dufte, ständig rückläufig war.

Viele Probleme und viele Lösungen

Von 1964 bis 1989 war Neuhausen Trainingszentrum Ski Nordisch. Das Fehlen geeigneter Geräte für die wettkampfgerechte Vorbereitung, um auch Läufe in der freien Technik zu ermöglichen, versuchten handwerklich begabte Sportler mit erheblichen Aufwand durch selbst entwickelte und in Freizeitarbeit erbaute Spurmaschinen zu überwinden. Sogar mit Pferdeschleppen mussten wir uns behelfen. Ende der 70er Jahre wurde die Möglichkeit genutzt, den Schwartenberglauf als Serienmeisterschaftslauf für SG-Sportler aufzuwerten.

Schon in früheren Jahren war der Aufwand für das Vorbereiten der Strecken von der Schneelage abhängig. Auch mit Windbruch und „Stöberwetter“ musste gerechnet werden. Die Loipen sollten nach Möglichkeit geschützt im Wald verlaufen und im Profil anspruchsvoll sein. Anfänglich bestimmte das Prinzip „um den Schwartenberg herum“ die Lage der Strecke. Damit waren nicht nur große Höhenunterschiede zu bezwingen, sondern auch oft ungeschützte freie Flächen. Nicht selten fanden die Läufer die Spur nur noch nach den Fähnchen auf windigen Abschnitten.

Mit der Entwicklung des Langlaufs mussten die Langlaufstrecken und natürlich auch der Schwartenberglauf den Anforderungen ständig angepasst werden. So ergaben sich Standortwechsel, wodurch der Start und das Ziel nicht mehr im Ort sein konnten. Mehr und mehr setzte sich das Schleifenlaufen auf engem, begrenztem, schneesicherem Gebiet durch. Also war Start- und Zielplatz am Bad-Einsiedel die beste Möglichkeit.

Schließlich zwang uns das Waldsterben in der Kammregion das Revier um das Große Vorwerk für die anstehenden XI. DDR-Schülermeisterschaften 1972 einzurichten. Fortan fanden der Schwartenberglauf und die Kreis-Kinder-Jugendspartakiaden an der Saydaer Straße statt. Sogar eine Skihütte entstand mit Unterstützung der Gemeinde und dem Spartakiade-Komitee. Im Verlaufe dieser intensiven Wettkampfjahre stellte sich heraus, dass die kleine Schwartenbergschanze wegen zu kurzem Auslauf mit modernen Gleitbelägen der Sprungski, vor allem von Kindern, nicht mehr zu meistern war. Daran starb in Neuhausen die so erfolgreiche Nordische Kombination – für die damals die Schwartenbergskispiele eigens als Kombinationswettkampf für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen worden waren.

 Seit Jahren ist Gott sei Dank auf dem Höhenzug des Erzgebirges wieder Wald gewachsen, weil fleißige Helfer aus den Schulen und der Bevölkerung den Forstleuten zur Seite gestanden haben. So können auch wir nun schon über 20 Jahre auf verbesserten Strecken trainieren und Wettkämpfe am Bad-Einsiedel veranstalten. Doch auch das war nur durch äußerst kooperatives Verhalten von Revierförstern, Waldbesitzern und dem Sachsenforst möglich. Bis heute bedurfte es immer wieder fleißiger Hände und umfangreicher Aktivitäten um die Streckenführung im Wesentlichen unabhängig von Waldwegen für modere Wettkämpfe zu gestalten.

 Leider ließ besonders seit 1989 die Härte und Beständigkeit der Winter in unserer Region spürbar nach. So konnten wir zwischen 1989 bis 2002 den Schwartenberglauf in 14 Jahren 7 Mal nicht durchführen. In den letzten Jahren hat sich dieser Trend nicht fortgesetzt. Manchmal war es jedoch nervenaufreibend, zusätzlicher Aufwand und etwas Glück.

Die Nachwendezeit

Seit 1992 ist der SSV Blau-Weiß Neuhausen Talentstützpunkt-Skilanglauf des Skiverbandes Sachsens. Die Räumlichkeiten für unser Skimaterial wurden in den letzten 60Jahren aus den unterschiedlichen Gründen häufig gewechselt. So waren es z.B. der Schießstand am Deutschen Haus, die „Halunkenburg“ am Kino, Räume in der Drogerie, Keller unter der Turnhalle und jetzt die ehemalige Baustelleneinrichtung an der Karl-Liebknecht-Straße. Diese konnte in den Jahre 2016 und 2017 mit Hilfe von Fördermitteln vollständig saniert und modernisiert werden. Wieder waren es die Mitglieder unseres Vereins die hunderte Stunden investierten und die Zukunft gestalteten.

Nach der Auflösung des WSV Seiffen im Jahre 2004 vergrößerte sich das Einzugsgebiet, die Mitgliederzahl sowie die Leistungsfähigkeit unserer Abteilung Ski spürbar. Im Jahre 2012 erfolgte dann die Verschmelzung mit dem Sportverein „Pulsschlag-Erzgebirge e.V.“, seither heiß unser Verein Pulsschlag Neuhausen Erzgebirge e.V.“  

Der Schwartenberglauf wurde seit dem Winter 1996/97 als Ranglistenwettkampf der AK 10-15 in der klassischen Technik eingestuft. Dies sichert in diesen Altersbereichen immer ansprechende Teilnehmerzahlen. Auch die Starterfelder bei den Senioren sind wieder größer geworden. Aufgrund vieler Terminüberschneidungen „verirren“ sich allerdings wesentlich seltener als in den 60-er / 70-er Jahren Sportler mit internationalem Format zu unseren Wettkämpfen.

Umso mehr erfreut es unsere Verantwortlichen, Kampfrichter, Sportler und Fans wenn „Eigengewächse“ wie Konrad Winkler, Janko Neuber und Tom Reichelt diese Möglichkeiten als Trainer oder Sportler genutzt haben oder nutzen bzw. so bekannte Sportfreunde wie Katja Beer, Karsten Pump, Megan Heinicke (Canada) und Michael Rösch, bei uns starten. Insgesamt leben unsere Traditionswettkämpfe von ihren bekannt guten Bedingungen und treuen Sportfreunden.

 Als Mitgestalter- und Ausrichter der 2008 ins Leben gerufenen Junior Trophy Erzgebirge liegt unser Verein richtig im Trend bzw. ist Vorreiter“. Übungsleiter, Sportler und Eltern haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich integriert. Viele Einzelsiege sowie die Gesamtsiege 2011 in der Sommer- sowie 2010/11 und 2011/12 in der Winterserie, sind der beste Beweis.

Unsere Helden

Sehr erfreulich ist es, dass es in langjährigen Wintersporttradition auch Sportler gibt, die es im Skisport ganz weit nach oben geschafft haben und unserer Region und unserem Verein weltweit zu Ehren auftraten und auftreten. Zu nennen sind hier unsere Ehrenmitglieder  Hannes Braun (07.08.2012 verstorben), der von 1963 bis 1968 DDR Verbandstrainer Biathlon und von 1968 bis 1980 DDR Verbandstrainer Skilanglauf war. Unser Konrad Winkler war DDR-Meister, Weltmeister und Olympiadritter in der Nordischen Kombination! Janko Neuber – heute Bundestrainer Skilanglauf war Juniorenweltmeister im Skilanglauf und Olympia - sowie WM-Teilnehmer wo er mit der Staffel einen 4. Platz erkämpfen konnte. Tom Reichelt brachte es auf  6 Deutscher Meistertitel, er war Olympia- und WM-Teilnehmer, erkämpfe beim Weltcup in Oslo einen 3. Platz über 50 km Freistil und gewann in seinem letzten Jahr als Leistungssportler in FIS Marathoncup.

Aktuell macht uns Anna-Maria Dietze viel Freude, sie konnte in verschiedenen Nachwuchsaltersklassen 9 Deutsche Meisterschaften gewinnen. Sie war 2016 Teilnehmerin der Jugendolympiade in Lillehammer wo sie einen 4. Platz im Einzel und Bronze mit der Staffel erkämpfe. Als 17jährige qualifizierte sie sich 2017 für die Teilnahme an der JWM in Park City USA, sie gehört dem C-Kader des DSV an.      

Unser Verein hat eine große Tradition, gleichwohl gilt es für uns nicht die Asche aufzubewahren, sondern die Flamme weiter zu tragen!